Mittwoch, 30. Oktober 2019

Montagsfrage #57: Wie sehen sich Blogger im Vergleich zu professionellen Literaturkritikern?




Die letzte Montagsfrage von Lauter & Leise hatte ich ausgelassen, weil mich dazu nichts zu sagen hatte. Diesmal hätte ich eine Menge zu sagen, beschränke mich aber auf ein paar kurze Gedanken.

Wie sehen sich Blogger im Vergleich zu professionellen Literaturkritikern?

Das ist eine vertrackte Frage, vor allem, weil ich mich seit fast 40 Jahren ausschließlich mit Literatur beschäftige, ohne je in Erwägung gezogen haben, meine diesbezügliche Arbeit aus monetären Gründen zu betreiben. Das brachte mir natürlich viel Ärger ein, was meinen Lebensunterhalt betrifft, aber für eine Zeitschrift oder Magazin zu arbeiten, das ich nicht selbst in der Hand habe, das wäre mir nie eingefallen. Ich kenne naturgemäß viele Germanisten und Literaturwissenschaftler (vor allem, weil ich letzteres in gewissem Sinne selbst bin), und ich habe eine zwiespältige Meinung.

Für mich steht außer Frage, dass die meisten von ihnen dem gewöhnlichen Bücherblogger an Wissen überlegen sind, dies aber oft auf merkwürdige Weise nutzen. Gerade im Bereich der Phantastik ist das in unseren Landen ein Problem, weil es wenige Fachleute in diesem Bereich gibt. Oft wird dieses Feld auf einer Nebenstrecke beackert.

Buchblogger hingegen haben die Freiheit, ihre eigene Leidenschaft zum Thema zu machen, und gar nicht selten werden sie ohnehin von Verlagen mit Büchern versorgt. Mehr ist manchmal auch gar nicht notwendig, um zufrieden zu sein. Als eigentliches Problem sehe ich vielmehr, dass hier in den seltensten Fällen etwas Substantielles über ein Buch gesagt wird. Zumindest habe ich persönlich kaum einen Mehrwert davon, Bücherblogs zu lesen. Wenn man aber weiß, was man will und was der entsprechende Blogger für einen Geschmack hat, dann kann ich mir vorstellen, dass das für viele eine Richtschnur sein kann, die das Leseverhalten mitprägt.

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